Im Rahmen von GESUND HÖREN in der Region Hannover sind in den vergangenen Jahren immer wieder einzelne Initiativen entstanden. Eine davon ist das Modellprojekt „zusammenHÖREN – Hören für alle Pflegebedürftige“ (Projektlaufzeit 2021 bis 2023).
Mit zusammenHÖREN ist unser Ziel verbunden, die Hörsituation von Bewohnerinnen und Bewohnern in stationären Pflegeheimen nachhaltig zu verbessern und dadurch ihre Lebensqualität sowie Teilhabe im Alltag zu stärken.
Auch wenn die Förderung ausgelaufen ist, arbeiten wir weiter an dieser Vision.
Projektförderung: Der Wettbewerb „Gesellschaft der Ideen“

Mit unserer Idee haben wir uns erfolgreich beim Wettbewerb „Gesellschaft der Ideen“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) beworben: Aus über 1.000 Bewerbungen konnten wir uns als eine von 30 Einreichungen durchsetzen und wurden im Dezember 2020 mit dem Ideenpreis für Soziale Innovationen ausgezeichnet [Pressemitteilung pdf Download].
In den darauffolgenden sechs Monaten haben wir gemeinsam mit unseren Partner*innen ein Konzept für die Erprobung von zusammenHÖREN erarbeitet. Dieses wurde erneut im Wettbewerb eingereicht. Auch dieses Mal konnten wir überzeugen: Im August 2021 wurde zusammenHÖREN als eins von zehn Gewinnerteams zur Förderung empfohlen [Pressemitteilung pdf Download]. Für die zweijährige Erprobungsphase im Zeitraum Dezember 2021 bis Dezember 2023 erhielten wir eine Bundesförderung von 200.000 Euro
Die Herausforderungen in der stationären Pflege in Bezug auf die Hörgesundheit
Im Jahr 2019 haben sich in einer Projektwerkstatt Expert*innen aus den Bereichen HNO-Medizin, Hörakustik, Pflege, Krankenkassen und der Selbsthilfe mit dem Thema „Gesundes Hören und Pflegebedürftigkeit“ beschäftigt. Eine wichtige Erkenntnis dabei war, dass für viele pflegebedürftige Menschen mit Hörbeeinträchtigungen der Weg in eine HNO-Praxis oder ins Fachgeschäft für Hörakustik schwer zu bewältigen ist. Zudem gibt es nur selten Pflegeeinrichtungen in denen regelmäßige Besuche von HNO-Ärzt*innen oder von Fachakustiker*innen stattfinden. So kommt es vor, dass die Diagnose von Hörminderungen zu spät oder gar nicht erfolgt. Wenn die Betroffenen ein Hörgerät besitzen, wird dieses oftmals nicht genutzt, weil es z. B. falsch eingestellt ist oder die Handhabung zu schwierig ist, sodass es von den pflegebedürftigen Menschen ohne Hilfe nicht eingesetzt werden kann. Dem Pflegepersonal fehlt es aber häufig ebenfalls an dem notwendigen Wissen, um die Betroffenen zu unterstützen.
Dabei ist gutes Hören eine Grundvoraussetzung für die Teilnahme an Aktivitäten oder die Verständigung mit Mitbewohnenden, Angehörigen und Pflegekräften. Wenn jemand schlecht hört, können zudem Folgeerkrankungen wie Demenz oder Depressionen entstehen. Auch die Gefahr von Stürzen nimmt zu.
Unsere Idee
Ziel unserer Initiative ist es, dass auch hörbeeinträchtigte Menschen in stationären Pflegeeinrichtungen bestmöglich mit Hörhilfen versorgt werden. Bei der Entwicklung eines neuen Versorgungsmodells sollen alle Akteure der Versorgungskette mit einbezogen werden. Die Förderung von gutem Hören ermöglicht zum einem mehr gesellschaftliche Teilhabe und selbstbestimmte Entscheidungen, was positiv auf die Lebenszufriedenheit wirkt. Zum anderen erleichtert es die Kommunikation zwischen Jung und Alt sowie die tägliche Arbeit von Pflegekräften.
Unsere Idee haben wir im nachfolgenden Projektkonzept und im Erklärvideo skizziert:
Erhebungs- und Erprobungsphase (2021 bis 2023)
Zwischen Dezember 2021 bis Dezember 2023 wurde das Projekt in diesen drei Pflegeeinrichtungen in der Region Hannover umgesetzt:
- Anni-Gondro Pflegezentrum im Eichenpark (Langenhagen)
- AWO Residenz Sehnde
- Stift zum Heiligen Geist (Hannover)
Zunächst erfolgte eine wissenschaftlich fundierte Analyse der aktuellen Situation vor Ort (Juni bis November 2022). Dabei wurde bei rund der Hälfte der getesteten Pflegeheimbewohner*innen eine bisher unerkannte Schwerhörigkeit festgestellt. Neben der Hörtestung wurden schriftliche Befragungen bzw. Interviews mit verschiedenen Gruppen durchgeführt:
- Bewohnende stationärer Pflegeeinrichtungen
- An- und Zugehörige von Bewohnenden
- Pflegenahe Mitarbeitende
- HNO-Ärzt*innen und Hörgeräteakustiker*innen
Dadurch konnten Schwachstellen und Bedürfnisse innerhalb der hörgesundheitlichen Versorgung ermittelt und Potenziale der Verbesserung herausgearbeitet werden. Auf dieser Grundlage wurde anschließend eine angepasste Versorgungsstruktur in drei Szenarien entwickelt. Von März bis September 2023 wurde diese in den Pflegeheimen praktisch erprobt.
Vertiefende Informationen zu den Ergebnissen können der
Pressemitteilung (pdf Download) entnommen werden.
In der Erhebungs- und Erprobungsphase haben wir zudem regelmäßig auch auf Facebook von unserem Projekt berichtet:
https://www.facebook.com/GESUNDHOEREN
Erkenntnisse
Hören ist Teilhabe. Für Bewohnerinnen und Bewohner von stationären Wohneinrichtungen ist es jedoch oftmals schwer, eine Hörminderung feststellen und versorgen zu lassen. Dies konnte anhand wissenschaftlicher Daten untermauert werden.
Unsere Erkenntnisse haben wir in den folgenden Slides festgehalten:
Aufgabenteilung im Verbundprojekt
zusammenHÖREN war ein Verbundprojekt, in dem die beteiligten Partnerorganisationen ihre Kompetenzen in den verschiedenen Projektphasen eingebracht haben. Im Folgenden ist die Aufgabenteilung dargestellt:
Verbundkoordinator: Gesundheitswirtschaft Hannover e.V.
Verbundpartner: Medizinische Hochschule Hannover (MHH) und die Hochschule Hannover (HsH)
Kooperationspartner und Aufgabenteilung in der Erhebungsphase:
- Klinikum Region Hannover, Klinikum Nordstadt: Erhebung des Hörstatus durch Fragebogen und Hörtests, Demenztest
- Fördergemeinschaft Gutes Hören GmbH: Unterstützung bei der Durchführung der Hörtests
- Hochschule Hannover: Interviews von Bewohnenden, pflegenahen Mitarbeitenden, An- und Zugehörigen
- Medizinische Hochschule Hannover: Interviews von HNO-Ärzt*innen und Hörakustiker*innen
Kooperationspartner und Aufgabenteilung in der Erprobungsphase:
- MediTECH Electronic GmbH: Hörtrainings
- LVG Niedersachsen: Online Weiterbildung
- Gesundheitswirtschaft Hannover e.V.: E-Learning Plattform zu Hörgeräten
- Medizinische Hochschule Hannover: Evaluation der Szenarien „Besuch“, „Intern“ und „Unterstützung“
- Klinikum Region Hannover, Klinikum Nordstadt: Erhebung des Hörstatus durch Fragebogen und Hörtests, Demenztest
- Hochschule Hannover: Interviews von Bewohnenden, Mitarbeitenden, An- und Zugehörigen




